Die geschichtliche Entwicklung der Marktgemeinde

Startseite Historische Ansicht Frauenkirche mit Landshut

Das Altdorfer Gemeindegebiet wurde in den letzten 7.500 Jahren fast durchgängig besiedelt. Die fruchtbaren Lössböden der Region und die Nähe zu verschiedenen Flusssystemen haben Altdorf, Pfettrach und Eugenbach schon für die ersten sesshaft lebenden Menschen zu einem attraktiven Wohnort gemacht. Die ersten jungsteinzeitlichen Siedler begannen damit, die dichten Wälder zu roden und Lichtungen zu schaffen, auf denen sie ihre Häuser errichten und Getreide anpflanzen konnten. Wie Ausgrabungen belegen, haben sich auf dem Altdorfer Gemeindegebiet mehrere jungsteinzeitliche Siedlungen befunden, die zum Teil als gleichzeitig angesehen werden können. Etwa ab der Mitte des 5. Jahrtausends v. Chr. lassen die Altdorfer Funde auch auf Fernkontakte zu anderen Kulturen im Osten Europas schließen. Früher als in anderen Regionen Deutschlands besitzen die Altdorfer Jungsteinzeitler Kupfergegenstände. Diese sind wahrscheinlich aus dem südosteuropäischen Raum importiert worden, da die Menschen hier noch nicht wussten, wie man Metall verarbeitet. Ab der ersten Hälfte des vierten vorchristlichen Jahrtausends fingen die Leute auch hier an Kupfer selbstständig zu verarbeiten.

Es waren die Leute der Altheimer Kultur, die auch in Altdorf siedelten. Diese Menschen begannen auch große Grabenanlagen zu errichten. Wahrscheinlich dienten diese dazu, Siedlungen zu befestigen und zu schützen. Eine solche Grabenanlage fand sich auch hier in Altdorf.

Ab dem Ende des 3. Jahrtausends setzt sich Bronze als gängiger Werkstoff durch und läutet damit die Bronzezeit an. Eine Siedlung aus dieser Zeit befand sich etwa am heutigen Römerfeld in Altdorf und auch Grabhügel aus der älteren Bronzezeit sind bei uns bekannt. Ab der späten Bronzezeit um 1300 v. Chr. finden sich verstärkt Siedlungspuren im Altdorfer Gemeindegebiet. Mehrere Siedlungen aus dieser Zeit, geben uns Aufschluss über das Leben der Menschen aus dieser Zeit.

In der darauffolgenden Eisenzeit ab 800 v. Chr. ziehen die ersten Kelten nach Altdorf. Einige Häuser und Bestattungen weisen auf eine schwierige, vielleicht auch konfliktbehaftete Epoche hin. Es ist die Zeit der großen Keltenwanderungen und auch nach Altdorf kommen Menschen von weit her. Ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. siedeln Römer in unserer Region. Die Kastelle an den römischen Grenzen werden aus dem Hinterland von römischen Landgütern (sog. Villae rusticae) versorgt. Zwei solche villae rusticae sind auch hier bekannt – in Eugenbach und Altdorf. Nach dem 3. Jahrhundert wird es in Altdorf aber ruhig, was nicht zuletzt daran liegen mag, dass die Römer sich zu diesem Zeitpunkt bereits schrittweise aus Bayern zurückziehen. Erst im 6. Jahrhundert wird die Gegend wieder besiedelt und ist seit diesem Zeitpunkt fest in bajuwarischer Hand.

Nikolakirche Deckengemälde

Die Bajuwaren lebten auf Höfen und betrieben Landwirtschaft, unter den Altdorfern muss es jedoch auch höher gestellte Persönlichkeiten gegeben haben. Dies lassen zumindest die Bestattungen erahnen. Reiche Beigaben in Männer- und Frauengräbern weisen auf den hohen sozialen Rang hin, den einige frühe Altdorfer schon im 7. Jahrhundert innehatten. Aus dem achten Jahrhundert stammt eine sehr große Siedlung aus Pfettrach-Höfen. In dieser Siedlung fanden sich nicht weniger als 7 Brunnen, zahlreiche Grubenöfen und ein dazugehöriges Gräberfeld mit 45 Bestattungen. Pfettrach muss zu dieser Zeit also bereits einige Zeit bestanden haben. Aus derselben Zeit stammen auch Siedlungsspuren und Bestattungen aus Aich, sodass mindestens zwei frühmittelalterliche Siedlungen in geringer Entfernung zu einander bestanden haben müssen.

Bereits im Jahr 822 werden Pfettrach und Eugenbach (als Pheterah und Yupinpah) auch das erste Mal urkundlich erwähnt, Altdorf im Jahr 864. Da Altdorf bereits zu dieser Zeit seinen Namen führt, liegt der Schluss nahe, dass die Siedlung schon längere Zeit bestand. In den darauf folgenden Jahrhunderten wuchsen die drei Gemeinden immer weiter. Altdorf und Pfettrach waren mit Burg und Schloss Sitze einiger lokaler Adelsfamilien, deren Geschichte sich in den historischen Quellen teilweise nachvollziehen lassen. Gegen Ende des Mittelalters spiegeln sich die großen Einschnitte in die Europäische Geschichte auch im Altdorfer Raum wieder. Die Pest verschonte im 14. Jahrhundert nur wenige Menschen und auch die Auswirkungen des 30-jährigen Krieges im 17. Jahrhundert, oder der napoleonischen Kriege zu Beginn des 19. Jahrhunderts lassen sich zum Teil im Altdorfer Gemeindegebiet ablesen. In solchen unruhigen Zeiten kam es häufig vor, dass Gehöfte verlassen wurden und die Menschen Schutz in Landshut suchten.

ZiegeleiAuch das Zeitalter der industriellen Revolution lässt sich auf dem Altdorfer Gemeindegebiet gut nachvollziehen. So wurde am 31.10.1858 eine Bahnlinie von Landshut nach München eröffnet, die über Altdorf verlief. Der damit verbundene wirtschaftliche Aufschwung in der Region und in ganz Deutschland geriet mit dem ersten Weltkrieg 1914 – 1918 ins Stocken. Durch die zum Kriegsdienst eingezogenen Männer fehlte es vor allem in ländlichen Gebieten an Arbeitskräften, was die wirtschaftliche Situation weiter verschlechterte. Zu Kriegsende hatten Altdorf, Pfettrach und Eugenbach insgesamt 98 Gefallene zu beklagen. Das politisch und wirtschaftlich instabile Land kam auch nach dem ersten Weltkrieg nicht zur Ruhe.

Mit der Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren erlebte die Bevölkerung erneut sehr schwierige Zeiten. Ab 1933 wurden unter den Nationalsozialisten zur Bekämpfung der hohen Arbeitslosigkeit mehrere Großbauprojekte durchgeführt. Zu diesen zählen der Bau der Hirschauer Brücke, Straßenbaumaßnahmen in Altdorf und Eugenbach und die Errichtung des ersten Altdorfer Rathauses. Nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges und nach dessen Ende verzeichneten Altdorf, Pfettrach und Eugenbach erneut viele Gefallene. Von den vielen Kriegsgefangenen kehrten nur wenige zum Teil erst Jahre nach Kriegsende zurück. Gleichzeitig wurde die Region für viele Menschen, die durch den Krieg zur Flucht gezwungen waren, zu einer neuen Heimat. Dies führte dazu, dass sich die Bevölkerung in den Jahren nach 1945 fast verdoppelt hat. Seit dieser Zeit verzeichnet das Altdorfer Gemeindegebiet einen kontinuierlichen Zuzug und Aufschwung.

Am 16.07.2004 wurde Altdorf daher feierlich zum „Markt“ erhoben. 

 Markterhebungsstein